wirtschaft und gewerbe

Wirtschafts- und Finanzkraft erhalten

Borgholzhausen ist seit Jahrzehnten ein attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort im Großraum Bielefeld/Osnabrück. Wir haben einen guten Gewerbemix mit einem börsennotierten Konzern, mehreren inhabergeführten mittelständischen Unternehmen und zahlreichen kleineren Gewerbe- und Handwerksbetrieben. Dieses sichert ein umfassendes Angebot ortsnaher Arbeitsplätze und die zur kommunalen Finanzierung bedeutsamen Gewerbesteuereinnahmen.

Durch die mit dem Lückenschluss der A33 seit Ende 2019 verbesserte Verkehrsanbindung hat unsere Stadt weiter an Attraktivität gewonnen. Dieses führt auch zu einer Nachfrage an Wohn- und Gewerbeflächen von Bewohnern und Unternehmen aus der Region. Allerdings sind daraus resultierende Flächenverbräche sehr sorgfältig abzuwägen, u. a. mit Aspekten des Natur- und Landschaftsschutzes.

Die lokale Wirtschaftsförderung ist in einer kleinen Kommune wie Borgholzhausen oft Chefsache des Bürgermeisters, und entsprechend bringe ich mich da ein. In den vergangenen Jahren ist es gelungen, allen größeren örtlichen Unternehmen an ihren Standorten Expansionsmöglichkeiten zu eröffnen. Und mit Jochheim EDV konnte auch ein neuer Dienstleistungsbetrieb angesiedelt werden, was zur Abrundung des Gewerbemix wünschenswert ist.

Entsprechend den Nachfragen und Bedarfen aus der Region ist es sinnvoll, bedarfsgerechte Industrie- und Gewerbeflächen in geeigneter Lage vorzuhalten und zu entwickeln. Im Zuge der Aufstellung des Regionalplans OWL hat sich der Stadtrat in den letzten Jahren intensiv mit mittelfristigen Optionen für die Zukunft befasst. So halten wir an den rund 15 ha rechtkräftig ausgewiesener Gewerbeflächen am Steinbrink trotz bisher fehlender Flächenbereitstellung der Eigentümer fest. Und nach der erfolgreichen Entwicklung der ersten beiden Bauabschnitte im Interkommunalen Gewerbegebiet IBV wird die Zusammenarbeit mit Versmold durch einen 3. Bauabschnitt fortgesetzt.

Aufgrund erfolgreicher Vermarktung der letzten verfügbaren kleineren Gewerbeflächen wurde nach intensiven Beratungen im Stadtrat entschieden, den Bereich „Am Stadtgraben“ südlich von Schüco für die Ansiedlung von kleinen und mittleren Betrieben zu erweitern. Landschafts- und Naturschutz sowie Anwohnerinteressen wurde im Zuge der Bauleitplanung in einer verantwortungsvollen Abwägung durch umfassende Eingrünungen und enge Lärmvorgaben Rechnung getragen. Die Erschließungsstraße wurde inzwischen verlängert und erste Unternehmen haben Grundstücke reserviert bzw. schon bebaut.

Einzelhandel in der Kernstadt stärken

Für eine Stadt unserer Größe ist ein zentral gelegenes und gut erreichbares Einzelhandelsangebot insbesondere für die Güter des täglichen Bedarfs wichtig. Die Grundlage für die Aktivitäten von Verwaltung und Gesprächen mit Betreibern und Investoren stellt das 2012 erarbeitete und vom Rat beschlossene Einzelhandelskonzept dar.

Zwei Discounter und ein Vollsortimenter (auf allerdings recht beengter Fläche) sichern die Nahversorgung mit den Gütern des täglichen Bedarfes, auch die Medikamentenversorgung ist ortsnah durch die renovierte und erweiterte Apotheke gewährleistet. Für einige Radsortimente und Spezialgeschäfte ist leider die Kaufkraft im Umfeld nicht stark genug, Gespräche mit Rossmann scheiterten und ewy Sports sowie Fleischerei Goldbecker schlossen ihre Standorte vor einigen Jahren.

Zur Sicherung des verbliebenen gastronomischen Angebotes in der Geschäftsstraße sind Ladencafé Schulze, Eisdiele Ferreira, das neue Stadtcafé und das Bistro Pium nach Kräften zu unterstützen. Auf Initiative der Stadtverwaltung erfolgte dazu beispielsweise die Sommersperrung der Straße „Klingenhagen“ und die derzeit erprobte Sperrung der „Finkenau“. Ein Hotelangebot mit angeschlossenem Restaurant würde zweifellos eine Angebotslücke im Ort füllen und für zusätzliche Belebung der Innenstadt sorgen.

Um die vorhandene Kaufkraft im Ort zu binden und Leerstände zu vermeiden, ist letztlich eine enge Zusammenarbeit und der nötige Gemeinsinn von Einzelhändlern, Vermietern und Grundstückseigentümern notwendig. In diesem Sinne werde ich mich weiterhin intensiv einbringen und einsetzen.

Regionale Erzeugung von Nahrungsmitteln und Energie fördern

Die Landwirtschaft unterliegt nach wie vor einem massiven Strukturwandel, entscheidend für die Existenz der heimischen Landwirtschaft sind aber weniger lokale Entscheidungen, sondern die Rahmenbedingungen auf Ebene von EU und Bund. Wo immer möglich und sinnvoll, sollte durch Verbesserung des Tierwohls und maßvoller Extensivierung der Bewirtschaftung Pflanzen und Tieren wieder mehr Raum gegeben werden – auch zum Wohle unserer Kulturlandschaft.

Einige nachhaltig biologisch wirtschaftende Landwirte vor Ort haben eine Marktnische gefunden. Häufig ist die Regionalvermarktung ein wesentlicher Bestandteil des Konzeptes, diese gilt es daher besonders zu unterstützen. Leider führten Gespräche zu einer professionellen Haustürbelieferung von Lebensmitteln und regionalen Produkten unter Einbeziehung regionaler Erzeuger beispielsweise durch wochenmarkt24 bisher noch nicht zum Erfolg.

Ein weiterer Baustein regionaler Erzeugung und Wertschöpfung wird mit der Energiewende die Erzeugung von Strom durch die Nutzung von Wind, Sonne und Biomasse:

Neben der Windvorrangfläche Casum auf Regionalplanebene scheinen derzeit noch 2 weitere örtliche Windvorrangflächen in Kleekamp und im Königsholz machbar und sinnvoll. Gerne unterstütze ich die sich örtlich gebildete Windgemeinschaft mit ihrem genossenschaftlichen Ansatz und versprochener breiter Anlieger- und Bürgerbeteiligung dabei.

Im Bereich PV ist grundsätzlich die Nutzung möglichst aller geeigneter Dachflächen anzustreben, darüber hinaus kann aber auch Freiflächen-PV mit Fokus auf Eigenverbrauch und in räumlichem Zusammenhang zum Betrieb sinnvoll sein. Die Stadtverwaltung war und ist hier an vielen Stellen Vorreiter, derzeit mit der Umsetzung von 2 Freiflächenanlagen an Kläranlage und der großen Pumpstation.

Seit rund 20 Jahren etabliert sind einige Biogasanlagen, teils mit Nahwärmenetzen. Obwohl ich die dadurch im Umfeld teils entstandenen Mais-Monokulturen durchaus kritisch sehe, leisten auch sie einen wichtigen örtlichen Beitrag zur defossilierten Energieversorgung.